#105 Corona und die Solidarität

Ich hatte ein interessantes und sehr kontroverses Gespräch über Solidarität, das mich einige Tage beschäftigt hat.

Es ging mal wieder um die Zwiespaltung der Gesellschaft: in Solidarische und Nicht-Solidarische. Und weil ich ein freiheitsliebender, diskussionsliebender und gerechtigkeitsliebender Mensch bin, gerate ich immer wieder zwischen die Fronten. Denn ich bin der festen Überzeugung, es gibt nicht nur schwarz und weiß, es gibt vieles dazwischen und vor allem ist es mir wichtig, dass viele verschiedene Meinungen stehen bleiben können – so lange man sie argumentieren kann. Denn oft weiß man ja auch nicht, welche persönliche Geschichte hinter einer Meinung steckt.

Am einfachsten festzumachen ist die Diskussion beim sehr hitzigen Thema Impfung. Es stand der Vorwurf im Raum, dass man unsolidarisch sei, wenn man sich nicht impfen lässt.

Daran störe ich mich – auch darum, weil für mich die Wahlfreiheit sehr wichtig ist. Ich spreche mich daher auch gegen eine Impfpflicht aus, denn jeder muss in einer Demokratie das Recht haben selbst über sich und seinen Körper zu entscheiden. Noch dazu, weil man nicht mit Sicherheit sagen kann, wie lange eine bereits durchgemachte Erkrankung vor einer weiteren Ansteckung schützt, inwieweit eine Impfung eine Übertragung verhindert und wie lange eine Impfung Schutz gewährt und auch ob sie vor Mutationen schützt. Man weiß nicht, ob bspw. akut an Krebs erkrankte Personen überhaupt eine solche Impfung erhalten sollten und welcher Impfstoff hier überhaupt geeignet ist. Impfen ist in meinen Augen eben eine sehr persönliche Angelegenheit.

Außerdem ist im Moment – da wir eher eine Impfstoffknappheit und eine Diskussion über „bessere“ und „schlechtere“ Impfstoffe haben – eher unsolidarisch, wer eine Impfung in Anspruch nimmt, der sie nicht unbedingt braucht. Geht es derzeit nicht eher um Egoismus? Hauptsache ICH bin geimpft… Wirklich solidarisch wäre doch jemand, der noch nicht „an der Reihe ist“ (oder genügend Antikörper hat) und die Möglichkeit einer Impfung erhält, diese aber nicht selbst in Anspruch nimmt, sondern seine bspw. 69-jährige Tante anruft und sie stattdessen zur Impfung schickt. Das wäre wirklich solidarisch!

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