#90 Corona und der Impf-Neid

Ich dachte eigentlich das Phänomen sei nach ein paar unangenehmen medienwirksamen Vorfällen wieder verschwunden, obwohl inzwischen ohnehin klar ist, dass es in absehbarer Zeit nicht genügend Impfstoff für alle Impf-Interessenten geben wird. An dieser Stelle drängt sich immer wieder die Frage auf, warum weiterhin empfohlen wird – unter anderen auch von der Leiterin der Impfabteilung im Gesundheitsministerium – dass die Impfung sowohl für Personen mit nachgewiesenen Antikörpern als auch für jene ohne Antikörper angeraten wird. Eine Aussage, die man treffen kann, wenn es genügend Impfstoff für alle gibt, aber doch nicht in Zeiten von Impfstoffmangel. Da sollte man doch froh sein über jede Person, die keine Impfdosis benötigt?

Der „Impf-Neid“ hat sich aber gewandelt und zwar in den „Genesenen-Neid“, denn der allgemeine Tenor von Menschen, die noch nicht an Covid erkrankt und auch noch nicht geimpft sind, lautet, dass es ungerecht sei, dass diese Personen Vorteile (z.B. Befreiung von den Test, zukünftig möglicherweise eine Maskenbefreiung etc.) haben könnten, wo doch der freie Zugang zur Impfung noch nicht gegeben sei. Das kann ich zwar einerseits verstehen, aber ich bin doch auch nicht neidisch auf Personen, die sich mehr leisten können oder erfolgreicher sind. Oder die vor mir an der Reihe sind und mir etwas vor der Nase wegschnappen. Mir geht es doch auch nicht besser, nur weil es jemand anderem schlecht geht?

Außerdem habe ich ja nichts davon, wenn jemand auf etwas verzichten muss, nur weil ich noch nicht dran bin. Könnte man das Ganze nicht umdrehen und sich denken: Ich freue mich für die Personen, die bereits immunisiert sind (und das sind – laut Schätzung von Franz Allerberger fast 1/3 der Bevölkerung) und hoffe einfach, dass ich das bald auch bin?

Ich weiß, als „Genesene“ habe ich leicht reden und es geht um die Gesundheit und vermeintlich „um Leben und Tod“ (ein bisschen Zynismus muss sein), aber ist Neid nicht dennoch ein schlechter Wegbegleiter?

Zusatz:

Wenn wir der Aussage von Franz Allerberger (er schätzt, dass etwa 30% der Bevölkerung bereits immunisiert ist) glauben, dann würde das bedeuten, dass ca. 2,7 Millionen Österreicherinnen und Österreicher natürlich immunisiert sind und derzeit nicht unbedingt eine Impfung brauchen.

Und einfach um die Zahlen in ein Verhältnis zu setzen: Beim Impf-Dashboard der Vorarlberger Landesregierung haben sich aktuell ca. 126.000 Personen zu einer Impfung angemeldet, das sind ebenfalls rund 30% der Bevölkerung.

Fazit: Der Prozentsatz jener Personen, die bereits natürlich immunisiert sind, ist exakt gleich groß wie die Anzahl jener Personen, die überhaupt bereit sind, sich impfen zu lassen.

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