#81 Corona und die Hypothesen

Irgendwie habe auch ich bis jetzt ein wenig in einer Blase gelebt, aber so langsam rücken die existenziellen Sorgen ein wenig näher. In unserem Bekanntenkreis haben sich inzwischen einige Paare getrennt – nach vielen gemeinsamen Jahren und immer sind auch Kinder involviert. Ich kenne auch immer mehr Familien, die von Kurzarbeit und Jobverlust direkt betroffen sind und zunehmend mit finanziellen und existenziellen Sorgen zu kämpfen haben. Und gestern hat mir eine Freundin erzählt, dass ein guter Bekannter Suizid begangen habe, weil er nicht mehr weiter wusste. Auch werden laufend Fälle bekannt, in denen es zu häuslicher Gewalt kommt – als Folge der mangelnden Rückzugsmöglichkeit und Bewegungsfreiheit.

Als Antwort auf diese sogenannten „Kollateralschäden“ – inzwischen auch ein sehr strapaziertes Wort – habe ich unlängst die Antwort bekommen: „Die hätten sich ja sowieso getrennt.“ Aber wenn ich das weiterdenke, dann wären die scheinbar weiteren logischen Antworten: „Die Firma wäre ohnehin Konkurs gegangen.“ oder „Der hat immer schon mit Selbstmordgedanken gespielt und war labil.“ oder „Der hätte seine Familie früher oder später sowieso umgebracht.“

Und wenn dann mein Rückschluss dazu ist: „Aber alle Corona-Toten wären ja auch irgendwann sowieso gestorben.“ – ja dann gilt die Hypothese nicht mehr. Denn dann bin ich radikal. Aber ich finde: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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