# Corona und meine Meinung

Tabula rasa:

Das öffentliche System versagt, das zeigt uns die Corona-Krise ganz deutlich. Während privatwirtschaftlich geführte Betriebe (dazu zähle ich auch Familien!) kreative Lösungen und Strategien entwickeln mussten, ist im öffentlichen Dienst kein Fortschritt zu sehen. Die Formulare des Contact-Tracing werden nicht adaptiert (Stichwort fehlendes Eingabefeld für eine Telefonnummer oder manuell einzugebender Link), die einzelnen Datenerfassungs-Systeme (1450, Infektionsteam, AGES) nicht zusammengeführt, damit ein Datenabgleich möglich ist, notwendige Programmierungsarbeiten nicht früh genug vorbereitet (Stichwort Anmeldung zu den Massentests, Anmeldungen zu den Impfungen).

Auch die Ausstellung der Bescheide ist weiterhin sehr verzögert und teilweise schlichtweg falsch, sodass ständig nachjustiert werden muss.

In den Schulen wurde dank des Einsatzes der Lehrer zwar effizienter gearbeitet, die Schulen selbst wurden aber nicht dezentral einheitlich ausgestattet: Sei es im Bereich der digitalen Endgeräte, flächendeckendem W-Lan oder bei der Umstellung auf durchgängiges Distance-Learning. Auch das organisatorische Chaos in der Administration, unter anderem bedingt durch die fehlende Schulautonomie (Stichwort Bildungsdirektion, die keine klar definierte Funktion und Aufgabe hat), erschwert den Familien- und Schulalltag weiterhin enorm. Ein erheblicher Mehraufwand für alle ist die Folge, der durch Planbarkeit, Struktur und Weitblick in vielen Bereichen vermeidbar wäre.

Weiterhin undurchsichtig ist die Transparenz bei den Zahlen. Bis heute schafft es das Gesundheitsministerium nicht, einheitliche Zahlen zu veröffentlichen. Weder bei Neuerkrankungen, noch bei Sterbefällen oder Impfungen. Immer wieder wird auf andere Systeme zurückgegriffen, verschiedene Institutionen sind parallel für die Datenerhebung zuständig,. Salopp gesagt: Hier werden ständig Äpfel mit Birnen verglichen.

Während sich Betriebe und Vereine intern Schutzmaßnahmen überlegt und umgesetzt haben, sich selbst um den Erwerb von bspw. Masken und Desinfektionsmitteln gekümmert haben, treten vor allem in Alters- und Pflegeheimen große Versäumnisse zu Tage. Warum hat man es z.B. nicht geschafft Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal in diesen Einrichtungen umfassend zu schützen, wo doch von Anfang an klar war, dass dies eine sogenannte besonders vulnerable Gruppe / Risikogruppe ist? Auch hört man immer wieder von Personen, die sich im Krankenhaus mit dem Virus angesteckt haben. Hätte es nicht oberste Priorität gehabt, diese Bereiche penibel zu schützen?

Dass die zweite Welle kommt, war ebenso klar wie Weihnachten am 24. Dezember gefeiert wird. Weshalb wurden keine Vorkehrungen getroffen? Warum wurde die Zahl der Intensivbetten nicht aufgestockt? Warum wurde kein zusätzliches Intensiv-Personal geschult? Ist es nicht besser, jemand kennt sich in diesem Bereich ein bisschen aus, als gar nicht?

Die Trägheit des Staates wird durch diese Krise erst so richtig an die Oberfläche gespült. Nun wäre die große Chance gekommen, daran endlich etwas zu ändern. Wir sollten die besten Managerinnen und Manager des Landes dafür gewinnen, den Staat neu zu organisieren. Das Ziel sollte es sein aus einem Beamtenstaat ein florierendes Unternehmen zu machen, mit Führungskräften, die demokratisch gewählt sind. Klingt das nicht traumhaft?

Für den Weg aus der Krise brauchen wir eine Strategie, Planungssicherheit, Verlässlichkeit und Kompetenz. Wir sollten uns auf Experten verlassen, die faktenbasierende Entscheidungen anhand von Zahlen, Analysen und wissenschaftlichen Studien treffen und die den Menschen transparent erklären, warum welche Maßnahmen umgesetzt werden müssen, damit das Ziel auf direktem Weg und nicht auf Umwegen erreicht wird.

Aufruf

Nach rund 10 Monaten Pandemie zeigt sich, dass der Unmut in der Bevölkerung wächst, da die Regierung mit der Pandemiebekämpfung schlichtweg überfordert ist. Dies zeigt sich vor allem darin, dass eine langfristige Lösungsstrategie ebenso fehlt wie eine umfassende Kommunikation und die Wertschätzung der Bevölkerung gegenüber.

Ich fordere daher, dass sich die demokratisch gewählte Regierung darauf konzentriert, das zu machen, wofür sie gewählt wurde: nämlich das Regierungsprogramm umzusetzen. Die Bewältigung der Gesundheitskrise möge die Regierung bitte Experten überlassen. Dies wäre kein Schuldeingeständnis, sondern würde die Größe zeigen, sich einzugestehen, dass es für jeden Bereich Experten gibt. Politiker sollen Politik machen, Experten Österreich aus der Krise führen. Zu diesem vom Bundespräsidenten nominierten Expertenteam sollen Virologen, Kommunikationsexperten, Wirtschaftsexperten, Psychologen, Forscher etc. gehören, die gemeinsam eine langfristige und vor allem planbare Strategie erarbeiten und für deren Umsetzung einstehen. Weg von Wählerstimmendenken und Parteipolitik. Und vor allem weg von persönlichen Interessen und Machtdemonstrationen…

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